Erinnerung an die Morde der NSU

In Erinnerung an die Morde des NSU. Bis heute kein Vergeben und kein Vergessen für Täter, Unterstützer*innen, Bullen, die Justiz und den Rechtsstaat der die Taten zuließ. Erinnern heißt kämpfen!

Am 23. Juni 1999 explodierte eine zur Rohrbombe umgebaute Taschenlampe auf der Toilette der Bar „Sonnenschein“ in Nürnberg. Wie durch ein Wunder überlebte der Inhaber Mehmet O. den Anschlag schwerverletzt. Bereits 17 Stunden später wurde ein politisches Tatmotiv ausgeschlossen, 7 Monate später das Verfahren ohne Ergebnis eingestellt.

Dies stellt den ersten der Anschlag- und Mordserie des faschistischen Netzwerkes namens „Nationalsozialistischer Untergrund“, bekannt als NSU dar, an dessen Ende 9 Morde an Menschen mit Migrationshintergrund sowie zahlreiche Anschläge stehen.

Am 9.9.2000 wurde Enver Şimşek, Inhaber eines Blumenladens, in Nürnberg mit acht Schüssen erschossen, er starb 2 Tage später im Krankenhaus und ist so das erste Mordopfer des NSU. Noch während Enver Şimşek ins Krankenhaus gebracht wurde, verhörten die Behörden seine Ehefrau sieben Stunden lang und bezichtigten sie der (Mit-)Täterschaft.

Nur wenige Monate später, am 13.6.2001 tötete der NSU Abdurrahim Özüdoğru durch zwei Kopfschüsse in seiner Änderungsschneiderei in Nürnberg, welche er nach seinem Studienabschluss an der Friedrich-Alexander Universität in Erlangen nebenberuflich führte. Abdurrahim Özüdoğru wurde lediglich 49 Jahre alt.

Das dritte Mordopfer des NSU in Nürnberg ist İsmail Yaşar, der am 9. Juni 2005 in seinem Imbiss in der Scharrerstraße in Nürnberg durch 5 Schüsse getötet wurde. Er wird als bei den Schüler*innen der gegenüber liegenden Schule sehr beliebt beschrieben.

Die Zeit nach den Taten war geprägt von behördlichem Versagen, einer Täter-Opfer Umkehr und kaum in Worte zu fassender Schikane gegenüber den Opfern und ihren Angehörigen. Ein rechtsextremes Tatmotiv wurde bis zuletzt ausgeschlossen, stattdessen ermittelten die Behörden im Umfeld der Opferfamilien selbst. Private Telefongespräche der Angehörigen wurden abgehört, der Opferstatus angezweifelt und das, während die eigentlichen Täter*innen unverhohlen weiter morden konnten. V-Personen arbeiteten, finanziert vom deutschen Staat, am Aufbau rechtsextremer Strukturen mit, während wichtige Akten zerstört und Informationen aus „Quellenschutzgründen“ nicht weiter gegeben wurden.
Die Morde des NSU und die Verstrickung der deutschen Behörden wurden bis heute nicht allumfassend aufgeklärt, Konsequenzen folgten quasi keine. Der NSU reiht sich ein in die Kontinuität rechten Terrors in der BRD.

Es ist unsere Aufgabe rechten Terror als das zu benennen, was er ist. Es ist unsere Aufgabe, an die Opfer rechten Terrors zu gedenken, und ihre Angehörigen zu unterstützen.
Besucht mit uns die Gedenkveranstaltungen, die hier in der Region stattfinden, hört die Stimmen der Betroffenen und organisiert euch antifaschistisch, um rechten Terror auf allen Ebenen zu bekämpfen.

Erinnern heißt kämpfen!

  1. Juni, 18 Uhr, Scharrerstraße: Gedenken an İsmail Yaçar
  2. Juni, 18 Uhr, Gyulaer Straße: Gedenken an Abdurrahim Özüdogru
  3. Juni, 17:30 Uhr, Scheurlstraße: Gedenken an den Anschlag auf die Bar Sonnenschein; 19:30 Uhr Podiumsdiskussion im Südpunkt
  4. Juni, 18 Uhr, Königstraße: Gedenken an den Anschlag auf das Twenty-Five